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EK VOM 04.08.2010
 

Von Transsilvanien nach Pfünz
Schauspieler der Eichstätter Krach-Truppe stehen für ein Pro 7-„Galileo-Spezial“ über Vampire vor der Kamera
Von Katrin Fehr

Pfünz (EK) Die eine Leiche hat verstrubbelte Haare, einen vergnügt-irren Blick und heißt Willi. Die andere war zunächst noch putzmunter mit dem Handy zu Gange. Nun liegt sie oberhalb von Pfünz in ein weißes Tuch eingehüllt in einem frisch geöffneten Grab im harten Juraboden. Mit Erdklumpen und Grasbüschel bedeckt. Mucksmäuschenstill. Anfangs hebt und senkt sich der Brustkorb ein wenig. „Bitte 30 Sekunden nicht atmen." „Heckl halt durch!", rufen die Umstehenden. Das tut dieser dann auch bewundernswert tapfer: 30 Grad, sengende Sonne, Wasser gibt es nur für die Lebenden. Und während sich der Arzt im düster- schwarzen Umhang über ihn beugt und sich vor allem für dessen Gebiss und den heraus rinnenden Blutfaden interessiert, radeln die Touristen im Tal ihrer Wege, führen Hundebesitzer ihre Vierbeiner in den nahen Wald spazieren. Ein herrlicher Sommertag im Altmühltal. Der Mimik des Arztes ist zu entnehmen: Es ist ein Vampir. Der Zahn. Er hat es befürchtet. - „Weiter atmen." Absonderliche Dinge und erstaunliche Situationen spielen sich auf dem Berg über Pfünz und in einem leer stehenden Bauernhaus an der Straße im Ort ab. Eine Zeitreise. Filmreif. Drei Tage dreht ein TV-Team von Südkino in Eichstätt und in Pfünz Szenen für ein 50-minütiges „Galileo-Spezial", das im Oktober auf Pro7 gesendet wird. Thema: Vampire. Die schaurigen Gestalten sind im Altmühltal ebenso wenig heimisch oder historisch belegt wie überhaupt irgendwo auf der Welt. Doch Kontakten der gebürtigen Eichstätterin Julia Bauer, die bei einer Münchner Produktionsfirma arbeitet, ist es zu verdanken, dass für die Spurensuche nach Vampiren und deren Mythos durch die Jahrhunderte auch hier in Oberbayern gedreht wird. Nach Wien, Rumänien und England. Von Transsilvanien nach Pfünz sozusagen. Und Julia Bauer hat nicht nur die Drehorte ausfindig gemacht, sondern auch gleich die Schauspieler vermittelt.» Die meisten aus der Eichstätter Schlossleutnant Krach-Truppe um Florian Schmidt. Erprobt auf der Bühne, Premiere vor der Kamera. „Zeit und Geduld braucht man", sagt Leiche Christian Heckl. „Doch es ist eine echte Gaudi." Ähnlich geht es wohl auch Thomas Pfahler, der einen Österreicher mimt, Franz Schmidt, Totengräber und Bauer, oder Martina Meyer, Bäuerin und Frau von Leiche Willi, der mit Nachnamen Eisenhart heißt und zu den Krach-Festspielen in die Uniform des legendären Schlossleutnantes schlüpft. Florian Schmidt, der als Kulturschaffender Film- und Regieerfahrung hat, und sich derzeit um eine Drehbuchförderung für sein Stück „Walpurgisnacht" bemüht, bringt den Unterschied zwischen Bühne und Film auf den Punkt: „Im Theater hat man nur eine Chance." Anders am Set. Kameramann Olaf Bitterhoff hat eine Fülle an . Ideen und Vorstellungen, bis die Szenen tatsächlich im Kasten sind. Das dauert, aber bei laufender Kamera macht selbst das Warten Laune. Konzentriertes Kreativsein da, heiteres Miteinander dort. Mit Familienmitgliedern und Freunden der Theatergruppe, die alle irgendwie und irgendwann mit anpacken. Vergnügliche Parallelwelten sind das, eine Vermischung der Zeitebenen: Aus der Jetztzeit gefallen, wenn ein Totengräber im historischen Outfit wie selbstverständlich einen schwarzen Leichenkarren mit Grabsteinen durch das Dorf auf den Berg zieht. Und ganzgegenwärtig, wenn sich hungrige Schauspieler über feinen Kuchen von Teresa Vieringer her machen oder die Schminke für die dreckigen Füße der Leiche kurzerhand in einem bunten Kinderplastikeimerchen aus Erde und Regenwasser angemischt werden. Vom professionellen und unkomplizierten Miteinander ist auch Regisseur Thomas Furch begeistert. Die erfahrene Theatertruppe, herzliche Menschen, ein Fundus an Requisiten, die Drehorte - vom Eichstätter Westenfriedhof bei Nacht mit künstlichen Nebelschwaden über die Burg und den Frauenberg bis zum schweißtreibenden Dreh zu vampiruntypischer Tageszeit in Pfünz. „Das ist hier Zufall und Glückstreffer gleichermaßen", sagt der 45-Jährige. Nach 200 Galileo- Beiträgen und sechs Spezialproduktionen für die Pro7-Serie kommt das ohne Zögern und mit ehrlicher Anerkennung. Und er spricht von vielen „Kindergeburtstagsmomenten" angesichts der immensen logistischen und organisatorischen Herausforderungen. „Jeder hier hatte nicht nur eine, sondern zwei gute Ideen." Improvisationstalent, das von langjähriger Theatererfahrung und gesundem Pragmatismus zeugt, und dem unausgesprochenen Motto folgt, dass es keine Probleme, sondern nur Lösungen gibt. Da werden für die Nahaufnahme geschwind Schweißperlen abgetupft, Leichenblässe auf Zuruf nachgeschminkt, in Windeseile Kreuze zusammengezimmert. Kein Zaudern beim Ausheben der Grube. Echte Knochenarbeit. Vergnüglicher ist es, im Kollektiv auf der Wiese die englischsprachige Gebrauchsanweisung für Vampirzähne zu studieren. „Das ist mir jetzt auch neu", sagt Florian Schmidt, der so ziemlich alle Kniffe aus der Theaterwelt kennt. „Ich habe es mir grusliger vorgestellt", sagt der 43-Jährige, der genauso wenig wie irgendjemand am Set an Vampire glaubt. Dennoch waren ihm die „blutigen" aus dem 19. Jahrhundert sympathischer als die „weichgespülten", die derzeit in Büchern und auf der Leinwand jungen Mädchen den Kopf verdrehen. Regisseur Furch ist in seinem Beitrag auch diesem Phänomen, dem Revival der Vampire, auf der Spur. Er hat an diesem Thema schon lange Blut geleckt.


EK vom 05.08.2010 | Presse

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