|
|
|
 |
 |
 |
 |
EK VOM 12.08.2010 |
 |
|
|
Römisches Großgebäude im Getreidefeld Luftbildarchäologie bringt unbekannte Grundmauern im Tal unterhalb des Pfünzer Römerkastells zu Tage Von Rudolf Hager
Eichstätt/Pfünz (EK) Das Wetter war in diesem Sommer noch nicht ideal für die Luftbildarchäologie. Dennoch haben die beiden Eichstätter Heimatforscher Rudolf Hager und Michael Hoedt einen spannenden Fund von ihrem Flugzeug aus gemacht: ein großes römisches Gebäude im Pfünzer Tal. Durch das zu lange anhaltende, kühle und regnerische Wetter konnten sich die so genannten Bewuchsmerkmale nicht herausbilden. Das sind jene Linien, die bei Trockenperioden dadurch entstehen, dass wegen der im Boden befindlichen Mauerresten die darüber wachsenden Getreidehalme nicht mit genügend Feuchtigkeit versorgt werden, und sich deshalb bereits braun verfärben, während der Bewuchs daneben noch grün ist. Aus der Luft betrachtet zeichnen sich diese Linien dann im Gelände als exakte Grundrisse zum Beispiel von Gebäuden ehemaliger römischer Bauernhöfe ab.
Nur verschwommen Als dann vor wenigen Wochen die große Hitzewelle einsetzte, reiften die Halme diesmal auf der übrigen Fläche fast genauso schnell ab wie an diesen erwähnten Stellen, so dass sich diese Merkmale - wenn überhaupt - nur ganz verschwommen vom übrigen Getreidewuchs abzeichneten. Wenn sich die diesjährigen Entdeckungen aus diesem Grund auch nicht alle unbedingt für den interessierten Leser in der Zeitung abdrucken lassen, so soll wenigstens ein besonderes Objekt hier Erwähnung finden: ein römisches Großgebäude im Pfünzer Tal. Während das auf dem Bergrücken - südlich des Kastells - befindliche, ausgedehnte Lagerdorf entlang der Straße nach Nassenfels von dem Pfünzer Heimatforscher Friedrich Winkelmann teilweise untersucht und ausführlich beschrieben wurde, waren seine Forschungen in dem zweiten Siedlungsbereich, unten im Tal, zu dem ein heute noch relativ gut begehbarer Weg im Zickzack den Hang hinunter führt, nicht so erfolgreich und ergiebig. Hier konnte von ihm lediglich die zum Kastell gehörende Badeanlage lokalisiert werden. Weitere Spuren von Kleingebäuden deutete er damals als Reste eines Handwerkerbereichs. Bei der Verlegung der neuen Wasserversorgung vor einigen Jahren konnten davon zumindest ein gemauerter Gebäudegrundriss untersucht werden.
Nie ein Gesamtbild In der Luftbildarchäologie sind im Kastellbereich bei Trockenheit fast regelmäßig die Grundrisse der Innenbebauung als Bewuchsmerkmale zu erkennen, während der Grundriss der Badeanlage im Tal, die Winkelmann im Jahre 1903 ausgegraben hat, dann aber wieder zuschütten musste, bisher noch nie im Luftbild dokumentiert wurde. Gelegentlich zeichnete sich zwar ein schwach sichtbares Quadrat ab, bis sich das dann infolge Trockenheit aber besser und sichtbarer herausbilden konnte, regnete es meist wieder, so dass sich nie ein Gesamtbild ergab. Nun ist es heuer erstmals gelungen, im Bereich der Siedlung im Tal einen großen Grundriss vom Flugzeug aus zu fotografieren. Zunächst wurde angenommen, dass damit endlich das römische Bad dokumentiert worden sei. Ein Vergleich mit dem von Friedrich. Winkelmann in den Sammelblättern des Historischen Vereins veröffentlichten Grundriss und die in seine Karte eingezeichnete, genaue Lage des Badegebäudes, ließen dann allerdings Zweifel aufkommen, ob es sich wirklich um das Kastellbad handelte. War es statt dessen ein bisher unbekanntes Großgebäude?
Nicht das Bad Winkelmann hat „seine" Badeanlage nämlich wesentlich mehr zum Dorfkern hin eingezeichnet, während die Neuentdeckung weiter südlich liegt. Auch stimmt der neue Grundriss nicht mit dem des Bades überein. Von der Stelle, an der sich die Badeanlage befindet, waren ja, wie erwähnt, schon früher feine Spuren im Luftbild zu erkennen gewesen, so dass es sich jetzt wohl tatsächlich um ein imposantes, römisches Gebäude der Talsiedlung handelt, das wegen seiner Größe vielleicht eine Funktion im militärischen Bereich hatte. Zu erwähnen wäre noch, dass sich in diesem Bereich noch weitere kleinere Gebäudegrundrisse abgezeichnet haben, die belegen, dass sich hier unten im Tal ein weit größerer Siedlungsbereich erstreckte, als bisher angenommen wurde. Mit der Neuentdeckung ist zwar eine kleine Sensation gelungen, alleine das Badegebäude harrt noch immer seiner Dokumentation im Luftbild. Bleibt noch anzufügen, dass es an der Zeit wäre, den gesamten Bereich der beiden Zivilsiedlungen in Pfünz mit der heute bekannten Methode der geomagnetischen Prospektion zu untersuchen, um ein genaues Bild des gesamten römischen Siedlungsbestandes zu bekommen - immerhin gehört das Kastell in Verbindung mit dem Limes zum Weltkulturerbe.
|
EK vom 31.08.2010 | EK vom 07.08.2010
|
Druckbare Version
|
|